KLEINGRUPPEN IN DER PRAXIS

Wie entsteht Gemeinschaft?                                        

Die „Beziehungsbrücke“ veranschaulicht die „Grundpfeiler“ der Gruppenbildung. In der Anfangsphase einer Gruppe stehen alle Teilnehmenden sozusagen auf ihrem eigenen Ufer. Wenn Gemeinschaft entstehen soll, muss man beginnen, Brücken zueinander zu bauen. Diese Beziehungsbrücken ruhen auf drei Pfeilern:


Erster Pfeiler: Die eigene Geschichte

Das Beste und Wichtigste, was jeder in die Gruppe einbringen kann, ist er selbst. Besonders in der Anfangszeit einer Gruppe – aber auch später immer wieder – geht es darum, einander kennenzulernen. Dazu gehört, etwas über die Lebensgeschichte der anderen zu erfahren – jeder ist ja geprägt von bestimmten Erfahrungen. „Eisbrecher“ zum Einstieg schaffen Gelegenheit, sich gegenseitig unter diesem Aspekt kennenzulernen. Manchmal wird eine Lebensgeschichte nach und nach deutlich – ein Puzzleteil kommt zum anderen. Oder jemand packt vielleicht einmal richtig aus und erzählt von einem Ereignis, das einen Meilenstein in seiner Entwicklung darstellt. Hier ist auch Gelegenheit, über Erfahrungen mit dem Glauben zu sprechen: In der Vergangenheit: Was waren wichtige Ereignisse, Erinnerungen, Personen, persönliche Erfahrungen und Erfahrungen mit der Kirche? In der Gegenwart: Wo stehe ich zur Zeit in Bezug auf Glauben, Gott, Kirche? Für die Zukunft: Was wünsche ich mir in dieser Hinsicht? Was erwarte, was erhoffe ich?

Zweiter Pfeiler: Annahme

Mit dem zweiten Pfeiler wächst die Beziehungsbrücke um ein gutes Stück. Nähe entsteht durch die Reaktionen der anderen auf das Erzählte. Dabei geht es nicht nur um ein „Feedback“ oder schlichtes Zuhören. Menschen werden angenommen, wie sie sind – mit ihrer Geschichte. Ratschläge und Bewertungen sind hier nicht angebracht: Erfahrungen sind Erfahrungen, und jede/r hat das Recht auf eine persönliche Sicht der Dinge. Hier heißt es vielmehr: „Danke, dass du uns das erzählt hast … Ich kann mir vorstellen, was du durchgemacht hast … Deine Geschichte hilft mir, weil…“ Eine Gruppe, die lernt, so miteinander umzugehen, baut damit kräftig an einem tragfähigen Beziehungsfundament.

Dritter Pfeiler: Ziele setzen

Die eigene Geschichte zu erzählen und damit angenommen zu werden, schafft die Basis für Beziehungen. Vertieft werden diese Beziehungen, wenn man es wagt, in unerforschtes Terrain vorzustoßen. Mit dem dritten Pfeiler gelangt die gegenseitige Offenheit auf eine tiefere Ebene. „In welche Richtung will ich mich weiterentwickeln? … Wo will Gott mich haben? … Was hält mich davon ab, mein Leben in diese Richtung zu verändern?“ Hier spielen die Impulse für den Austausch eine besondere Rolle. Feinfühlig und behutsam geben sie Hilfestellung für ein offenes Gespräch über diese sehr persönlichen Fragen.

Das neue Ufer: Gemeinschaft

Gemeinschaft schließt Anteilgeben und Anteilnehmen ein. Menschen „teilen“ einen gemeinsamen Glauben. Diese Gemeinschaft lässt sich verwirklichen – durch aufrichtiges Miteinander und gegenseitige Anteilnahme und Unterstützung. Wenn sich Christen versammeln, sich Anteil geben an ihren Erfahrungen mit Gott und seinem Wort und füreinander da sind, will Gott durch seinen Geist daraus eine Gemeinschaft schaffen – etwas Neues, etwas „Ganzes, das mehr ist als die Summe seiner Teile“.