Einwechslung des Tages: Das Joker-Phänomen

You'll never walk alone - das Andachtsbuch zur Fußball-EM

You’ll never walk alone – das Andachtsbuch zur Fußball-EM

Tag 18 der Fußball-Em 2016

Sie kommen in einem sehr fortgeschrittenen Stadium des Spiels zum Einsatz und schießen unverhältnismäßig häufig Tore. Manchmal sogar unmittelbar nach ihrer Einwechslung. Gemeint sind die Joker.

Unvergessen etwa Berti Vogts’ glückliches Händchen bei der Einwechslung von Oliver Bierhoff im EM-Finale 1996 gegen Tschechien. Denn kaum auf dem Platz, köpfte der heutige Teammanager in der 73. Minute den Ausgleich zum 1:1, um dann in der 5. Minute der Verlängerung das entscheidende Golden Goal zum 2:1 zu erzielen. Deutschland war zum dritten Mal Europameister! Noch lebendiger im Gedächtnis ist uns natürlich Mario Götzes viel umjubelter Treffer zum WM-Titel in der 113. Minute. Auch hier hatte sich vorher die Offensivabteilung rund um Miroslav Klose 88 Minuten lang vergeblich darum bemüht, Argentiniens glänzend aufgelegten Torhüter Sergio Romero zu überwinden. Einwechselspieler sind also beileibe keine zweite Wahl, sondern häufig spielentscheidend.

Was aber macht sie zu „Jolly Jokern“? Ein wichtiger Faktor ist sicherlich, dass sie frisch von der Bank kommen und noch unverbrauchte Spritzigkeit mitbringen, während der direkte Gegenspieler sich vielleicht auf der letzten Rille über den Platz schleppt. Auch der Wunsch, einen möglichst positiven Eindruck zu hinterlassen, mag eine Rolle spielen. Wer bei Einwechselungen genau hinschaut, stellt allerdings fest, dass es zwischen Spieler und Trainer häufig noch einmal zu einem kurzen Austausch kommt. Der Coach sagt etwas, und sein Hoffnungsträger nickt.

So wie eben am 13. Juli 2014 in der 88. Minute des Endspiels Deutschland – Argentinien im Maracana Stadion von Rio de Janeiro. „Komm, Mario, zeig der Welt, dass du besser bist als Messi!“, gibt Jogi Löw dem 22-Jährigen mit auf dem Weg. Und der abgekämpfte, aber zuversichtliche Miroslav Klose fügt hinzu: „Du machst das Ding!“ Es sind solche Sätze, die einem Spieler Flügel verleihen und bestimmte Abläufe freisetzen. Später sagt Mario Götze im Interview, dass sie gar nicht kontrolliert geschehen, sondern intuitiv. Wenn das stimmt, dann ist das vielleicht das Geheimnis des Joker-Phänomens und seines Erfolgs. Und es zeigt, wie wichtig es ist, Menschen durch gute Worte zu motivieren und in die Lage zu versetzen, über sich selbst hinauszuwachsen.

Die Bibel ist voll von solch aufrichtenden und manchmal auch aufrüttelnden Worten. Wir brauchen das. Gerade in festgefahrenen Situationen. Darum sind Trainer Motivationskünstler. Sie wenden die Pädagogik Gottes an, der uns an unsere Möglichkeiten erinnert und nicht an unsere Grenzen. Stellen Sie sich nur mal vor, Jogi Löw hätte Mario Götze bei seiner Einwechselung gesagt: „Denk dran, du bist kein Messi! Sieh also zu, dass du nicht allzu viel verbaselst!“ Und Miroslav Klose hätte ergänzt: „Gegen den Romero ist sowieso kein Kraut gewachsen!“ Ich fürchte, unser WM-Held wäre in der entscheidenden Situation über seine eigenen Beine gestolpert. Genau das ist aber die Art, in der wir häufig mit anderen Menschen und mit uns selbst umgehen. Der Vater mit Beitragsbild_EMseinem Sohn, die Abteilungsleiterin mit ihren Mitarbeiterinnen, der Bruder mit seiner Schwester. Manchmal ertappe ich mich auch dabei. Deshalb will ich von unseren Trainern lernen, einem Jogi Löw, Tuchel, Streich, Koller, Kloppo und wie sie alle heißen. Denn die verstehen etwas von Menschenführung und davon, wie man Spieler zu Jokern macht.

Jesus sagt: „Alles ist möglich,
wenn du mir
vertraust!“
Markus 9,23

Aus: Stollwerk / Fischer: „You’ll never walk alone. Der neue Begleiter zur EM 2016“, 96 Seiten, Taschenbuch, ISBN 978-3-7655-4280-0

This entry was posted in Allgemein. Bookmark the permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*